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Die Auswirkungen von Covid-19 auf den Pharmamakt

Covid 19 hat Europa und die Welt im Griff. Schon seit Wochen leben wir mit Einschränkungen und auch unsere Alltagsgewohnheiten haben sich stark verändert. Weltweit sind bereits mehr als 3 Millionen Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert worden und leider gab es auch schon über 200.000 Tote durch Covid-19 zu beklagen (Stand: Ende April). Epizentrum der Pandemie bleibt weiterhin Europa mit immer noch steigenden Infizierten-Zahlen. Die zahlreichen Maßnahmen der betroffenen Länder, die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen sorgten für ein komplettes Herunterfahren der Wirtschaft und Veränderungen im Markt und Konsum. Während diese Situation einige Branchen in die Krise stürzt, können andere von den Veränderungen profitieren. Jegliche digitalen Alternativen wie Versandhandel, digitale Medien, Streamingdienste, TV oder auch Videosprechstunden und digitale Gesundheitslösungen boomen momentan stark. Auch die Pharmabranche und der Versandapotheken-Markt können durch Corona stärkere Umsätze verbuchen. Covid-19 katapultiert unsere gesamte Gesellschaft in ein vernetzteres, digitales Zeitalter. Die Erfahrung mit SARS aus Asien zeigt: Wenn die Pandemie überstanden ist, werden viele tiefgreifende Veränderungen bleiben. Es ist davon auszugehen, dass E-Commerce sich bis Jahresende auf einem signifikant höheren Niveau einpendeln wird. Wenn die Krise länger dauert, sind im Apothekenmarkt mehr als 30% Online-Marktanteil auf Jahressicht möglich.

Corona verändert radikal unsere heutige, aber auch morgige Welt. Alles spricht für ein nachhaltiges Umsatzplus durch Corona. Allerdings ist das kein Grund zum Ausruhen für Hersteller und Apotheken. Sich schnell ändernde Verbraucher -, Empfehler und Mitarbeiter Verhalten führen dazu, dass alte Paradigmen teils nicht mehr gelten. Digital & E Commerce profitieren überproportional. Marktanteile werden sich dadurch teils stark verschieben. Unternehmen müssen deshalb heute ihre Vertriebs- und Marketingstrategien genau prüfen und gegebenfalls signifikante, teils sehr schmerzhafte Anpassungen vornehmen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Dr. Kaske Corona Studien
  2. Wie entwickelt sich der Apothekenmarkt durch Corona?
  3. Kommt es durch die Corona-Krise zu Lieferengpässen bei Medikamenten?
  4. Welche Auswirkungen hat Corona auf Versandapotheken?
  5. Wie schätzen Pharma-Hersteller die Situation durch Corona ein?
  6. Welche Chancen ergeben sich für die Telemedizin durch Covid-19?
  7. Welche Corona-Prognosen lassen sich aus der SARS-Krise 2003 in Asien ableiten?
  8. Prognosen & Strategien für eine Post-Corona-Welt

Dr. Kaske Corona Studien

Im Zuge des sich rasant ausbreitenden Virus Sars-Cov-2 haben wir in Deutschland und der Welt seit einigen Monaten mit zahlreichen Einschränkungen im Alltag und Veränderungen in Konsumverhalten und Markt zu tun. Unser Gesundheitssystem wird auf die Probe gestellt und Apotheken erhalten einen solch starken Zulauf wie schon lange nicht mehr. Da stellt sich die Frage welche Auswirkungen hat Covid19 auf den Markt heute und wie kann eine Welt nach Corona aussehen?

Um diese und weitere Fragen rund um den Pharma- und Apothekenmarkt in Bezug auf Corona zu klären, haben wir von Dr. Kaske eine Corona-Marktanalyse und eine Corona-Studie durchgeführt. Jetzt kostenlos herunterladen!

Hier geht es zu den Studien-Downloads:

Wie entwickelt sich der Apothekenmarkt durch Corona?

In Deutschland und anderen europäischen Ländern wie Italien oder Spanien, die besonders von Corona getroffen sind, steigt die Nachfrage über alle Arzneimittel hinweg enorm. Dabei sind nicht nur Hygieneartikel wie Desinfektionsmittel und Mundschutz sehr gefragt, sondern auch andere Produkte wie Immunsystem-Präparate, Grippemittel oder Vitamin-Präparate. Dabei erhöht sich die Nachfrage sowohl in Online-Apotheken als auch in stationären Apotheken. Die Vor-Ort-Apotheken bieten in dieser Zeit vermehrt Lieferdienste an, die bestellte Medikamente direkt dem Kunden nach Hause liefern, damit dieser nicht das Haus verlassen muss.

Das Coronavirus hat nicht nur Einfluss auf Apotheken, sondern auf fast alle Branchen. Während die einen von der Krise profitieren, verzeichnen die anderen große Verluste. Besonders negativen Einfluss hat die Situation auf Branchen im Bereich Sport/Fitness, stationärem Einzelhandel, Tourismus und Gastronomie. Positive Folgen bringt es für Streamingdienste, Lebensmittel-Einzelhandel, Online-Apotheken, Lieferdienste, Amazon und den E-Commerce im Allgemeinen. Diese Auswirkungen machen sich auch an der Börse bemerkbar, denn während einige Branchen unter der Corona Krise leiden, erfahren zum Beispiel Versandapotheken, Amazon und Pharma-Hersteller in den letzten Wochen zum Teil deutlichen Aufschwung an der Börse.

Kommt es durch die Corona-Krise zu Lieferengpässen bei Medikamenten?

Bereits im November 2019 (vor Corona) waren 280 Medikamente in Deutschland von Lieferengpässen betroffen, nachdem die Produktion von Inhaltsstoffen zu großen Teilen nach Asien (China & Indien) verlagert wurde. Nach dem Produktionsstopp in Asien durch Corona drohen nun stärkere Engpässe in Europa. Dennoch sind laut Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft derzeit keine eindeutigen Hinweise darauf zu sehen, dass in Folge der Coronavirus-Pandemie zusätzliche kurzfristige Einschränkungen in der Versorgung mit relevanten und für die Bevölkerung unverzichtbaren Arzneimitteln auftreten werden. In China hat die Produktion zwar wieder begonnen, sie geht jedoch noch langsam voran. In Indien wurde aktuell der Export von 26 Inhaltsstoffen und Medikamenten untersagt und auch die stark durch COVID-19 getroffenen europäischen Länder Italien und Spanien spielen bei der Medikamentenproduktion eine zentrale Rolle. Bork Bretthauer, Geschäftsführer Pro Generika e.V. meint dazu: „Frühestens im Sommer könnte man eventuell die Folgen einer Produktionsstörung zu spüren bekommen. Es sei zu früh, das seriös abzuschätzen, doch man habe Zeit, sich darauf vorzubereiten. Wie sich die Lage weiter entwickeln werde? Dabei hinge viel davon ab, wann der internationale Transport wichtiger Waren wieder störungsfrei laufe.“

Besonders Schmerzmittel, Antibiotika, Schilddrüsenmedikamente oder Antidepressiva könnten als Folge der Corona-Pandemie in den Sommermonaten knapp werden. Ein alternativer Ausweg besteht darin, die Produktion von Inhaltsstoffen langfristig wieder zurück nach Europa zu verlagern, um auch in Krisenzeiten schnell reagieren zu können und eine ausreichende Medikamentenversorgung für die Bevölkerung zu gewährleisten. Es bleibt also offen, inwieweit Corona globale Lieferketten und die Abhängigkeit von China verändert.

Welche Auswirkungen hat Corona auf Versandapotheken?

In den letzten Wochen zeigte sich ein großer Andrang auf Versandapotheken, die sehr viel mehr Bestellungen verbuchen konnten als vor dem Corona Ausbruch. Versandapotheken wie Apotal, Shop-Apotheke und Co. konnten bis zu 3x mehr Umsatz erzielen als vor der Corona Krise. Einige Online-Apotheken waren aufgrund der erhöhten Nachfrage zeitweise sogar nicht mehr in der Lage gewesen, neuen Bestellungen nachzukommen und stellten den Shop vorrübergehend offline.  Auch bei den Preisen und Verfügbarkeiten der Arzneimittel in Versandapotheken hat sich einiges getan. Wie unsere Analyse zeigt steigen die Preise vieler Produkte im Versandhandel aktuell signifikant an.  In den Online-Apotheken gab bei den angebotenen Produkten einen durchschnittlichen Preisanstieg von 7 bis 17% je nach Marketing-Kanal. Die Verfügbarkeit in den Versandapotheken hat Corona-bedingt seit Jahresbeginn deutlich abgenommen, bei einigen Produkten sogar um bis zu 92% Führendes Immunpräparat erhält seit der Corona-Krise 10-faches Bestellvolumen. Spannend zu sehen ist auch die Entwicklung bei den Schmerzmitteln Paracetamol und Ibuprofen. Nachdem vor einigen Wochen Ibuprofen im Zusammenhang mit dem Virus von Ärzten und Behörden abgeraten wurden, sank die Nachfrage dazu rasant und gleichzeitig stieg das Interesse an Paracetamol stark.

Wie schätzen Pharma-Hersteller die Situation durch Corona ein?

Auch Pharmahersteller gehören zu den Branchengruppen, die aus der Corona-Situation eher Positives ziehen können. 71% aller Hersteller sehen aktuell Umsatzsteigerungen, während nur jeder 5. Hersteller Rückgänge verzeichnet. Hamsterkäufe, Prävention und ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung sorgten für mehr Arzneimittelkäufe in Deutschland. Ganze 70% der Hersteller erwarten, damit verbunden, in diesem Jahr ein Gesamtmarktwachstum. Auch eine Veränderung der Marktverteilung von stationär zu online wird erwartet, denn 97% sehen jetzt schon eine höhere E-Commerce Relevanz für den Pharmamarkt in diesem Jahr. Die Tendenz geht also auch hier in Richtung Online-Geschäft und digitale Maßnahmen, statt offline und stationär. Forciert durch die gestiegene Relevanz des Onlinehandels planen 4 von 5 Herstellern verstärkt in digitale Marketingmaßnahmen zu investieren und 2 von 3 erhöhen ihre E-Commerce Invests. Investitionen in TV und Print werden von knapp der Hälfte aller Hersteller voraussichtlich gekürzt. Der Trend geht in der Pharmabranche also stark in Richtung Online-Handel und Online-Marketing. Es ist zudem davon auszugehen, dass sich diese Tendenzen auch nach der Pandemie längerfristig etablieren werden.

Welche Chancen ergeben sich für die Telemedizin durch Covid-19?

Der digitale Markt ist zu Corona-Zeiten besonders erfolgreich. Das zeigt sich auch im Bereich der Telemedizin bzw. der ärztlichen Video-Sprechstunden, denn aufgrund der Corona Krise nimmt die Relevanz von Telemedizin stetig zu. Ärzte bieten immer häufiger digitale Sprechstunden speziell für Corona Patienten an. Das gilt sowohl in einigen Arztpraxen als auch in Online-Anbietern telemedizinischer Gesundheitslösungen wie Teleclinic, Zava, Kry oder Ada.

Auch bei diesen führenden Anbietern macht sich eine Überlastung durch erhöhten Corona-Andrang bei Video Sprechstunden bemerkbar. Auch elektronische Rezepte werden auf diesem Weg häufiger ausgestellt als vor Corona, obwohl die offizielle E-Rezept-Einführung erst für 2021 geplant ist. TeleClinic und Kry beispielsweise erleben ein rasantes Wachstum durch Covid-19. Der telemedizinische Anbieter Kyr hat in einer Woche 200% mehr Anfragen für Video Sprechstunden erhalten als zuvor und auch die Teleclinic verzeichnet einen hohen Anstieg bei Video Sprechstunden seit Covid 19, hier ist es durchschnittlich ein Anstieg von bis zu 50% pro Woche.

Welche Corona-Prognosen lassen sich aus der SARS-Krise 2003 in Asien ableiten?

Die digitale Entwicklung in China seit der SARS-Epidemie 2003 gibt eine Prognose darüber ab, wie die Zukunft nach Covid-19 aussehen kann. Die SARS Krise in Asien ist in einigen Teilen vergleichbar mit unserer heutigen Corona-Krise, auch wenn die Dimensionen heute andere sind als damals. Die SARS-Krise sorgte für einen maßgeblichen Anstieg der Internetnutzung in China und etablierte das Internet dort erstmals als Massenmedium. Anschließend stieg der Anteil der Nutzer kontinuierlich an. Die SARS-Epidemie hat auch zur Entstehung und langfristigem Wachstum des chinesischen E-Commerce beigetragen und zeigt, dass Corona Pandemien eine Chance für E Commerce sein können, denn auch heute schon sind positive Tendenzen dahingehend zu beobachten. Die-SARS-Krise gilt als Wendepunkt für Chinas zwei führende Online Händler, Alibaba & JD.com. Mit dem Verkauf von Elektronik in Internetforen konnte das Geschäft während SARS-Krise am Laufen gehalten werden. Das B2B-E-Commerce Geschäft florierte, nachdem ausländische Geschäftsleute Reisen nach China abgesagt hatten und auf sich auf der Plattform registrierten. Daraufhin folgte der Ausbau des Online Geschäfts zu Chinas größtem Online Händler für elektronische Produkte. Nach der SARS-Epidemie wuchs der chinesische E-Commerce weiter auf erhöhtem Niveau. Der Online-Verkauf in China ist in der aktuellen Corona-Krise robuster als vor einigen Jahren und wird voraussichtlich auch nach dieser Krise steigen. So wie es auch in Europa und den USA schon zu sehen ist.

Prognosen & Strategien für eine Post-Corona-Welt

Nach den vielen Veränderungen durch Corona stellt sich die Frage, wie entwickelt sich der Markt in 2020? Nach dem überproportional starken Anstieg in März und April wird sich im Jahresverlauf der OTC-Markt auf einem höheren Niveau als vor Corona einpendeln. Eine deutlich erhöhte Nachfrage über das gesamte Jahr 2020 erscheint aus folgenden Gründen wahrscheinlich:

1. Höhere Präventionsneigung

Covid 19 ist eine Krise, die unsere Gesundheit betrifft. Uns alle bewegt die Sorge um die eigene Gesundheit und die unserer Familien und Freunde. Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen nun in ihre Gesundheit investieren, ist signifikant höher als ohne Pandemie. Bis es eine Impfung gegen SARS CoV 2 gibt, wird dieser Status ähnlich bleiben. Wissenschaftler erwarten eine Impfung nicht vor 2021.

2.Großer Mediendruck

Die Medien werden bis mindestens Jahresende durch ihre Berichterstattung täglich jeden daran

erinnern, wie wichtig Gesundheit und damit Prävention sind. Die normalerweise geringen Präventionsausgaben der Deutschen werden sich dementsprechend sehr wahrscheinlich auf einem deutlich erhöhten Niveau einpendeln.

3.Höhere Frequenz in Apotheke

Aktuell sparen viele Deutsche tausende Euros durch Ausfall von Urlauben, Restaurant besuchen und den geschlossenen Einzelhandelsgeschäften. Mindestens für Fernreisen wird dies auch noch viele Monate gelten. Apotheken sind eine der wenigen geöffneten Einkaufsstätten. Während ein Teil des Konsums ins Internet verlegt wird, so bleibt insgesamt mehr Geld übrig als vorher. Durch die höhere Präventionsneigung und Mediendruck steigen die Besuche und Käufe innerhalb von Apotheken, womit auch für Präventions-ferne Indikationen durch Cross Selling positive Mitnahme Effekte entstehen werden.

4.Zuwachs von Neukunden

Durch die Corona Krise erreichen Online Apotheken in Deutschland ein neues Niveau. Es kommt zu einem großen Push für den E-Commerce, da Millionen Kunden jetzt wegen Infektionsgefahr und Social Distancing lieber online kaufen. Es kommt dabei täglich zu sehr vielen Neukunden in Versandapotheken wie DocMorris, Shop Apotheke und Co. Die Onlinehändler erzielten in ihren Apotheken während der bisherigen Corona-Zeit durchschnittlich 1000 neue Nutzeranmeldungen pro Tag. Dies kam unter anderem dadurch zustande, dass beispielsweise mehr ältere Menschen jetzt erstmals Online-Apotheken verwenden und auch frühere Skeptiker nutzen die Online-Bestellungen aus Convenience-Gründen möglicherweise nun doch. All diese Neukunden könnten auch längerfristig dem Versandhandel treu bleiben und zu Bestandskunden werden. Die Kundenbindung zu Bestandskunden könnte durch die Corona-Situation hingegen zusätzlich gestärkt worden sein.