Creative Performance im Pharma-Marketing: Warum das Creative wichtiger wird als das Targeting

Automatisierte Ausspielung verschiebt den Performance-Hebel. Was das für regulierte Kampagnen in der DACH-Region bedeutet und wie Pharma-Teams Creative-Testing strukturiert aufbauen.

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Creative Performance im Pharma-Marketing: Warum das Creative wichtiger wird als das Targeting

Lesedauer: 17 Minuten

Lange galt im Paid Media eine einfache Logik: Wer seine Zielgruppe präziser definiert, verschwendet weniger Budget. Also wurden Interessen geschichtet, Lookalikes verfeinert und Gebote manuell justiert. Diese Logik verliert an Kraft. Meta und Google übergeben die Zielgruppenauswahl, die Gebote und die Platzierung zunehmend an automatisierte Systeme. Was Werbetreibende weiterhin direkt steuern, sind vor allem die Eingaben: Kampagnenziel, Daten, Budget und das Creative.

Für Pharma-Teams ist diese Verschiebung doppelt relevant. Gesundheitsbezogenes Targeting war auf den großen Plattformen nie ein freies Feld. Die Heilmittelwerberegeln in Deutschland, Österreich und der Schweiz begrenzen zusätzlich, was wem gegenüber gesagt werden darf. Gleichzeitig sind Freigabeprozesse aufwendiger als in vielen anderen Branchen. Wer das Creative zum Performance-Hebel machen will, muss deshalb nicht nur besser produzieren, sondern Testing und Medical-, Legal- und Regulatory-Review (MLR) von Anfang an zusammen planen.

Dieser Beitrag zeigt, warum das Creative an Gewicht gewinnt, wo diese These ihre Grenzen hat und wie ein strukturierter Testzyklus für Pharma-Kampagnen aussehen kann.

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Was die Automatisierung an der Ausspielung verändert

Beide großen Plattformen beschreiben ihre Kampagnensysteme inzwischen ausdrücklich als KI-gestützt.

Meta fasst unter dem Namen Advantage+ eine Reihe von Produkten zusammen, die Kampagnen laut eigener Darstellung in Echtzeit optimieren und Anzeigen den Personen zuordnen sollen, die am ehesten reagieren. Bei Advantage+ Audience werden Zielgruppeneingaben der Werbetreibenden zu Vorschlägen: Das System bevorzugt zunächst passende Profile, kann aber darüber hinaus ausspielen, wenn es sich davon bessere Ergebnisse verspricht. Feste Grenzen lassen sich nur noch für einzelne Kriterien setzen, etwa Standort, Mindestalter, Sprache und den Ausschluss eigener Custom Audiences.

Technisch dahinter steht unter anderem Andromeda, ein System, das Meta Ende 2024 in seinem Engineering-Blog vorgestellt hat. Es wählt vor der eigentlichen Auktion aus einer sehr großen Zahl verfügbarer Anzeigen diejenigen aus, die für eine bestimmte Person infrage kommen. Meta begründet den Umbau ausdrücklich damit, dass durch generative KI-Tools deutlich mehr Creative-Varianten in das System gelangen. Die gemeldeten Verbesserungen, etwa bei der Trefferquote der Vorauswahl, stammen von Meta selbst.

Google verfolgt mit Performance Max einen ähnlichen Ansatz. Werbetreibende liefern Conversion-Ziele, Budget, Assets wie Texte, Bilder und Videos sowie optional Zielgruppensignale. Google kombiniert diese Eingaben mit Smart Bidding und spielt über alle verfügbaren Kanäle aus. Die Assets einer Asset-Gruppe werden dabei automatisch zu passenden Anzeigen zusammengesetzt. Zielgruppensignale dienen als Orientierung, nicht als harte Begrenzung.

Was davon Plattformaussage ist: Die Leistungsversprechen, etwa niedrigere Kosten pro Ergebnis durch breitere Ausspielung, veröffentlichen die Plattformen selbst. Sie sind keine unabhängige Evidenz. Belastbar ist vor allem die strukturelle Beobachtung: Entscheidungen, die früher im Kampagnen-Setup getroffen wurden, trifft heute zunehmend das System.

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Warum das Creative an Gewicht gewinnt und wo die These endet

Wenn die Plattform entscheidet, wer eine Anzeige sieht, bleibt das Creative einer der wenigen Hebel, mit dem sich Werbetreibende noch deutlich voneinander unterscheiden. Meta argumentiert zudem, dass das Creative selbst zum Signal wird: Unterschiedliche Botschaften, Formate und Einstiege sprechen unterschiedliche Menschen an, und das System lernt daraus, wem es welche Variante zeigt. Nach Berichten aus der Fachpresse hat Meta 2025 formuliert, der Fokus habe sich von Nischen-Targeting hin zur Diversifizierung von Creatives verschoben.

Auch unabhängige Forschung stützt die Grundrichtung, allerdings mit wichtigen Einschränkungen:

  • Eine Metaanalyse von NCSolutions zu rund 450 Kampagnen aus dem Konsumgüterbereich ordnet dem Creative knapp die Hälfte des Beitrags zum kurzfristigen Absatzeffekt von Werbung zu. Dem Targeting wird in derselben Analyse ein deutlich kleinerer Anteil zugeschrieben. Die Daten beziehen sich auf Konsumgüter, nicht auf Arzneimittel und nicht auf den DACH-Markt.
  • Google verweist für seine YouTube-Creative-Prinzipien (ABCDs) auf eine Kantar-Analyse von rund 11.000 Anzeigen, nach der Anzeigen, die diesen Prinzipien folgen, eine höhere vorhergesagte kurzfristige Absatzwahrscheinlichkeit erreichen. Es handelt sich um eine modellbasierte Vorhersage, global und branchenübergreifend, im Auftrag von Google.

Keine dieser Quellen belegt, dass das Creative in Pharma-Kampagnen grundsätzlich wichtiger ist als das Targeting. Sie zeigen aber, dass die Qualität des Creatives ein großer und oft unterschätzter Faktor ist.

Wo die These endet: Targeting verliert nicht an Bedeutung, es verändert seine Rolle. Im Pharma-Kontext bleibt es die Grundlage dafür, wer eine Botschaft überhaupt sehen darf: Fachkreise oder Öffentlichkeit, Land, Sprache, Altersgrenzen und Ausschlüsse. Hinzu kommen die Qualität der Signale, aus denen das System lernt, die Landingpage und die Messung. Performance entsteht aus dem Zusammenspiel von zulässiger Zielgruppe, Plattformoptimierung, relevantem Creative, passender Landingpage und sauberer Messung. Das Creative ist in diesem Zusammenspiel der Teil, der am meisten Gestaltungsspielraum bietet.

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Die Pharma-Sonderlage: weniger Targeting-Spielraum, mehr Verantwortung im Creative

Für Gesundheitswerbung gelten auf den Plattformen und im Recht zusätzliche Grenzen. Sie verstärken die Verschiebung hin zum Creative.

Plattformregeln zum Targeting

  • Meta hat im Januar 2022 zahlreiche Detailed-Targeting-Optionen entfernt, die sich auf sensible Themen beziehen, darunter gesundheitsbezogene Themen wie Awareness-Anlässe zu bestimmten Erkrankungen oder Behandlungen.
  • Meta ordnet zudem Websites und Apps, die über die Meta Business Tools Daten senden, Datenquellen-Kategorien zu. Für bestimmte Kategorien, darunter Gesundheit und Wellness, kann Meta die Weitergabe und Nutzung von Ereignisdaten einschränken. Wie weit solche Einschränkungen im Einzelfall reichen, hängt von Metas aktueller Einstufung der jeweiligen Datenquelle und von der Umsetzung der Richtlinie ab. Für die Kampagnenoptimierung kann das bedeuten, dass dem System weniger Signale aus dem unteren Funnel zur Verfügung stehen.
  • Bei Google gilt Gesundheit in der Richtlinie für personalisierte Werbung als sensible Interessenkategorie. Wer Produkte oder Leistungen aus diesem Bereich bewirbt, kann keine eigenen, vom Werbetreibenden kuratierten Zielgruppen nutzen. Vordefinierte Google-Zielgruppen, die ohne sensible Signale gebildet werden, bleiben erlaubt. Im Mai 2025 hat Google klargestellt, dass Inhalte, die sich an Angehörige der Gesundheitsberufe in ihrer beruflichen Rolle richten, nicht unter diese Kategorie fallen. Das Verbot, Nutzer anhand sensibler Gesundheitszustände anzusprechen, bleibt unverändert. Die Klarstellung erlaubt weder die Bewerbung verschreibungspflichtiger Arzneimittel noch uneingeschränktes personalisiertes Targeting. Die gesonderten Vorgaben der Google-Richtlinie zu Gesundheit und Arzneimitteln gelten weiterhin.
  • Google unterscheidet zwischen der Werbung von Arzneimittelherstellern für verschreibungspflichtige Arzneimittel und Dienstleistungen im Zusammenhang mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Nach der aktuellen Google-Ads-Richtlinie dürfen Arzneimittelhersteller verschreibungspflichtige Arzneimittel nur in Kanada, Neuseeland und den USA bewerben. Deutschland und Österreich gehören nicht zu diesen Märkten, auch die Schweiz ist dort nicht aufgeführt. Für bestimmte Dienstleistungen im Zusammenhang mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln gelten separate Länder- und Zertifizierungsregeln.

Ein Unternehmen kann also nicht einfach Menschen mit einer bestimmten Erkrankung ansprechen, nur weil das Produkt für sie relevant ist. Relevanz muss stärker über Botschaft, Kontext und Creative entstehen.

Rechtlicher Rahmen in der DACH-Region

  • In Deutschland darf für verschreibungspflichtige Arzneimittel nach § 10 Abs. 1 HWG nur bei Fachkreisen geworben werden.
  • In Österreich untersagt § 51 AMG die Laienwerbung für rezeptpflichtige Arzneispezialitäten.
  • In der Schweiz ist Publikumswerbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel nach Art. 32 Abs. 2 lit. a HMG unzulässig.

Für Rx-Produkte bleibt produktbezogene Paid-Social-Werbung gegenüber der Öffentlichkeit damit ausgeschlossen. Ob nicht produktbezogene Aufklärungskommunikation zulässig ist, muss im Einzelfall rechtlich bewertet werden. Für OTC-Produkte ist Publikumswerbung möglich, aber an klare Vorgaben gebunden.

Zwei davon betreffen das Creative-Testing unmittelbar. Erstens verlangt § 4 HWG bei Publikumswerbung den bekannten Pflichthinweis. In audiovisuellen Medien ist er nach § 4 Abs. 5 HWG einzublenden. Das OLG Köln hat im September 2025 entschieden, dass auch ein Instagram-Reel ein audiovisuelles Medium in diesem Sinne ist und ein Hinweis in der Caption nicht genügt (Az. 6 U 118/24). Der Pflichthinweis ist damit fester Bestandteil jeder Videovariante und beeinflusst Länge, Aufbau und Endcard. Zweitens enthält § 11 HWG Einschränkungen für Publikumswerbung, unter anderem für Empfehlungen durch Wissenschaftler, Angehörige der Gesundheitsberufe oder bekannte Personen. Das ist relevant, sobald Teams Varianten mit Expertinnen, Experten oder Creators testen wollen.

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Die entscheidende Unterscheidung: die Ausführung testen, nicht die Aussage

In vielen Branchen bedeutet Creative-Testing, auch Versprechen und Angebote gegeneinander antreten zu lassen. Im Pharma-Marketing funktioniert das nicht. Die medizinische Aussage, das Anwendungsgebiet und die Pflichtangaben sind freigegeben und bleiben konstant. Getestet wird, wie diese Aussage vermittelt wird.

Ein Beispiel: Ein OTC-Präparat hat eine freigegebene Kernaussage zur Linderung bestimmter Beschwerden. Zulässige Testvarianten könnten sein:

  • ein Einstieg über eine erkennbare Alltagssituation statt über das Produkt
  • dieselbe Aussage als Frage oder als Feststellung
  • eine ruhige Erklärung durch eine neutrale Sprecherstimme statt schneller Schnitte mit Text-Overlays
  • das Produkt früh im Bild oder erst am Ende

Nicht Teil eines Creative-Tests sind stärkere Wirkversprechen, neue Anwendungsgebiete, nicht freigegebene Vergleiche oder zugespitzte Formulierungen, die Angst erzeugen oder Nachteile bei Nichtverwendung nahelegen.

Wichtig ist dabei: Auch eine scheinbar reine Ausführungsänderung kann die Aussage verschieben. Eine als Frage formulierte Headline kann ein Heilversprechen implizieren, das die Feststellung nicht enthält. Auch ein Bild kann eine Wirkung suggerieren, die nicht belegt ist. Deshalb braucht auch jede Ausführungsvariante eine Freigabe. Der Vorteil liegt darin, dass diese Prüfung schneller geht, wenn die Kernaussage bereits abgesichert ist.

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Welche Creative-Variablen sich für Pharma-Teams lohnen

Nicht jede Variable ist gleich ergiebig. Die folgende Übersicht zeigt, welche Stellschrauben sich für Publikumskampagnen im OTC-Bereich eignen und worauf bei der Auswertung zu achten ist.

Creative-Variable Was sich ändert Was konstant bleibt Was gemessen wird
Hook / erste Sekunden Einstieg über Situation, Person, Frage oder Produkt Kernaussage, Pflichthinweis, Gesamtlänge Anteil der Views über die ersten Sekunden, Verweildauer
Eröffnung als Frage oder Feststellung Formulierung des Einstiegs Freigegebene Aussage Aufmerksamkeit, Klickrate, Qualität der Folgeaktion
Mensch oder Produkt im Fokus Alltagsszene mit Person oder Packshot-orientierte Darstellung Botschaft, Markenauftritt Aufmerksamkeit, Erinnerung (wo Brand-Lift-Messung verfügbar ist)
Produktionsstil Authentische, UGC-nahe Anmutung oder hochwertige Produktion Inhalt, Pflichtangaben Aufmerksamkeit, Engagement, Landingpage-Verhalten
Absender Neutrale Stimme, Creator oder Fachperson (rechtlich zu prüfen, siehe § 11 HWG) Aussage, Kennzeichnung Glaubwürdigkeitssignale, Qualität der Klicks
Format und Länge Statisches Motiv, kurzes Video, längere Erklärung Kernaussage Completion Rate, Klickqualität, Aktionen auf der Landingpage
Informationstiefe und Nutzenrahmung Ein Nutzen im Fokus oder mehrere freigegebene Aspekte Freigegebene Aussagen Verweildauer, qualifizierte Aktionen
Call to Action Zum Beispiel „Mehr erfahren“ oder „In der Apotheke beraten lassen“ Ziel und Landingpage Klickrate, Absprungrate, qualifizierte Aktionen

Zwei Hinweise zur Einordnung. Ob eine UGC-nahe Anmutung besser funktioniert als eine hochwertige Produktion, lässt sich nicht pauschal beantworten. Das hängt von Marke, Produkt, Plattform und Zielgruppe ab und ist genau deshalb ein sinnvoller Testgegenstand. Zudem gilt für Fachkreis-Kampagnen eine eigene Logik: Hier sind die vollständigen Pflichtangaben nach § 4 Abs. 1 HWG erforderlich, und sinnvolle Variablen sind eher die Aufbereitung von Studiendaten, der Einstieg über eine Praxissituation oder die Informationsdichte.

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So wird aus einzelnen Tests ein Testsystem

Einzelne A/B-Tests liefern selten dauerhafte Erkenntnisse. Wertvoll wird Creative-Testing erst, wenn es als wiederholbarer Zyklus organisiert ist. Ein praxistauglicher Ablauf:

  1. Kampagnenziel festlegen. Awareness, Traffic auf eine Informationsseite oder eine qualifizierte Aktion erfordern unterschiedliche Creatives und unterschiedliche Erfolgskriterien.
  2. Freigegebene Kernbotschaft definieren. Kernaussage, zulässige Formulierungsspielräume, Pflichtangaben und Ausschlüsse werden schriftlich festgehalten.
  3. Hypothese formulieren. Zum Beispiel: „Ein Einstieg über eine Alltagssituation hält mehr Zuschauer über die ersten Sekunden als ein Einstieg über das Produkt.“ Die Hypothese entsteht vor der Produktion, nicht danach.
  4. Eine Variable auswählen. Wo möglich, unterscheidet sich eine Variante nur in einer bedeutsamen Eigenschaft von der Kontrolle. Sonst lässt sich nicht sagen, was den Unterschied verursacht hat.
  5. Kontrolle und Varianten produzieren. Eine bewährte Kontrollversion und eine überschaubare Zahl von Varianten sind aussagekräftiger als viele kaum unterscheidbare Versionen.
  6. Unter vergleichbaren Bedingungen starten. Gleiches Budget, gleicher Zeitraum, gleiche Zielgruppenlogik. Die Test-Werkzeuge der Plattformen teilen die Zielgruppe dafür kontrolliert auf.
  7. Anhand der passenden KPI-Hierarchie auswerten. Mehr dazu in Abschnitt 09.
  8. Dokumentieren und in die nächste Runde übertragen. Das Ergebnis fließt in das nächste Briefing ein.

Zu Stichproben und Laufzeiten: Allgemeingültige Mindestbudgets oder Testdauern gibt es nicht. Wie viel Auslieferung eine Variante braucht, hängt von Plattform, Budget, Kampagnenziel und dem Volumen der gemessenen Ereignisse ab. Plattformen nennen teils eigene Mindestwerte: Google weist etwa darauf hin, dass bei bestimmten Experimenten mit Zielgruppenlisten mindestens 10.000 Nutzer in der Liste sein sollten, weil die Ergebnisse sonst ungenauer werden. Google betont außerdem, dass Änderungen während eines laufenden Experiments die Auswertung erschweren und dass Anzeigen vor dem Start die Prüfung durchlaufen müssen. Für Pharma-Teams heißt das: Testvarianten nicht mitten im Test nachschärfen und Prüfzeiten in den Zeitplan einrechnen.

Auslieferungsgewinner sind keine Testgewinner: In automatisierten Kampagnen verteilt das System die Ausspielung selbst auf die Creatives. Eine Variante, die mehr Budget erhält, hat nicht zwangsläufig einen kontrollierten Vergleich gewonnen. Wer belastbare Erkenntnisse will, sollte für echte Tests die A/B- oder Experiment-Funktionen der Plattformen nutzen und die übrige Ausspielung als Beobachtung behandeln.

Die Lernbibliothek: Jeder Test wird mit denselben Feldern dokumentiert: Hypothese, getestete Variable, Kontrolle, Plattform, Zeitraum, Zielgruppe, Ziel-KPI, Ergebnis, Freigabenummer und eine Einschätzung, ob das Ergebnis übertragbar erscheint. Erst mit wiederholten, ähnlichen Ergebnissen über mehrere Tests hinweg lässt sich zwischen Plattformrauschen und einem belastbaren Muster unterscheiden.

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Creative Fatigue: Nachschub planen, bevor die Leistung sinkt

Auch gute Creatives nutzen sich ab, wenn dieselben Menschen sie wiederholt sehen. Meta zeigt im Ads Manager entsprechende Auslieferungshinweise an, wenn die Kosten pro Ergebnis im Vergleich zu früheren Anzeigen deutlich steigen. Für die meisten Branchen bedeutet das: neues Creative produzieren und einsetzen. Für Pharma-Teams ist das schwieriger, weil jede neue Variante erst freigegeben werden muss.

Die praktische Konsequenz:

  • Varianten-Pipeline vorab aufbauen. Neben der Launch-Version sollten bereits freigegebene Alternativen bereitstehen.
  • Modular produzieren. Wer Hooks, Szenen, Endcards und Pflichthinweis als eigenständige Bausteine plant, kann Varianten schneller neu kombinieren.
  • Ausführung erneuern, medizinischen Kern erhalten. Ein neuer Einstieg oder ein anderes Format reicht oft, um Ermüdung zu begegnen, ohne die Aussage anzufassen.
  • Trends beobachten statt auf den Absturz warten. Steigende Frequenz bei sinkender Aufmerksamkeit oder Klickrate ist ein früheres Signal als das Scheitern einer ganzen Kampagne.
  • Wiederholt testen. Was vor einem halben Jahr funktioniert hat, muss heute nicht mehr gewinnen.
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Testing und MLR-Freigabe zusammendenken

Der häufigste Engpass im Pharma-Creative-Testing ist nicht die Produktion, sondern die Freigabe. Wer nach jedem Leistungsabfall eine neue Einzelprüfung beantragt, verliert Wochen. Wirksamer ist es, den Prüfprozess von vornherein auf Varianten auszulegen. Dabei gilt: Ein modularer Ansatz ersetzt die Prüfung durch Medical, Legal und Regulatory nicht, er macht sie planbarer.

  • Botschaftsrahmen freigeben. Ein vorab abgestimmtes Dokument mit Kernaussagen, zulässigen Formulierungsvarianten, Pflichtangaben und klaren Ausschlüssen schafft eine gemeinsame Grundlage für Kreation und Prüfung.
  • Medizinische Aussage und Ausführung trennen. Wenn klar ist, welche Elemente Aussagen enthalten und welche nur gestalterisch sind, kann die Prüfung gezielter erfolgen.
  • Bausteine und Kombinationen klären. Mit dem MLR-Team sollte früh geklärt werden, welche Bausteine einzeln freigegeben werden können und in welchen Fällen die fertige Kombination erneut geprüft werden muss.
  • Varianten im Paket einreichen. Statt einer Anzeige werden eine Kontrolle und mehrere Testvarianten gemeinsam vorgelegt, idealerweise zusammen mit dem Testplan.
  • Versionen sauber führen. Jede Variante erhält eine eindeutige Bezeichnung und eine Freigabenummer, die sich auch in der Kampagnenbenennung wiederfindet.
  • Automatische Creative-Funktionen bewusst steuern. Plattformen können Varianten selbst erzeugen. Bei Google Performance Max etwa lassen sich automatisch erstellte Text-Assets aktivieren, und mit der Final-URL-Erweiterung kann Google die Landingpage ersetzen und dynamische Anzeigentitel erzeugen. Für Pharma-Kampagnen können so Kombinationen entstehen, die nie geprüft wurden. Solche Funktionen sollten nur nach Abstimmung mit dem MLR-Team genutzt werden.
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Messen: Warum die höchste Klickrate nicht automatisch gewinnt

Welches Creative das beste ist, hängt vom Kampagnenziel ab. Eine sinnvolle Auswertung folgt einer Hierarchie:

  1. Aufmerksamkeit: Wird die Anzeige wahrgenommen? Etwa Anteil der Views über die ersten Sekunden oder Verweildauer.
  2. Engagement: Wie reagieren Menschen auf die Anzeige?
  3. Klickverhalten: Wer klickt, und zu welchen Kosten?
  4. Verhalten auf der Landingpage: Bleiben Besucher, lesen sie, nutzen sie Inhalte?
  5. Qualifizierte Aktion: Etwa Download einer Patienteninformation, Nutzung eines Apothekenfinders oder eine Anmeldung.
  6. Kosteneffizienz: Kosten pro qualifizierter Aktion statt nur Kosten pro Klick.
  7. Übergeordnetes Ergebnis: Beitrag zu Markenbekanntheit, Nachfrage oder Kampagnenziel.

Ein Creative mit auffälligem, neugierig machendem Einstieg kann die höchste Klickrate erzielen und trotzdem schwächer abschneiden, wenn die Besucher die Landingpage sofort wieder verlassen. Umgekehrt kann eine ruhigere Variante weniger Klicks, aber mehr qualifizierte Aktionen erzeugen.

Für Gesundheitswerbetreibende kommt ein praktisches Problem hinzu: Wenn die Plattform Conversion-Ereignisse einschränkt, fehlt ihr ein Teil der Signale im unteren Funnel. Umso wichtiger ist es, die Qualität des Traffics auf der eigenen Landingpage datenschutzkonform zu messen und vor dem Test festzulegen, welche Kennzahl als Erfolg gilt.

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Fazit: Den nächsten Testzyklus strukturiert planen

Die Automatisierung von Targeting, Geboten und Platzierung macht das Creative nicht in jedem Fall wichtiger als die Zielgruppe. Sie verschiebt aber den Ort, an dem Pharma-Teams den größten Unterschied machen können. Die Zielgruppe bleibt der rechtliche und strategische Rahmen. Innerhalb dieses Rahmens entscheidet zunehmend das Creative darüber, ob eine Kampagne Aufmerksamkeit gewinnt, die richtigen Menschen erreicht und über die Laufzeit stabil bleibt.

Für Pharma-Teams liegt der Schlüssel darin, Kreativität und Regulierung nicht gegeneinander auszuspielen: freigegebene Aussagen konstant halten, die Ausführung systematisch variieren und die Freigabe von Anfang an auf Varianten auslegen.

Vor dem nächsten Testzyklus helfen diese Fragen:

  • Welches Kampagnenziel verfolgen wir, und welche Kennzahl entscheidet über den Erfolg?
  • Ist die Kernbotschaft mit allen Pflichtangaben freigegeben und dokumentiert?
  • Welche eine Variable testen wir, und welche Hypothese steckt dahinter?
  • Gibt es eine Kontrollversion und genügend freigegebene Varianten für den Test und für einen späteren Refresh?
  • Sind automatische Creative-Funktionen der Plattformen mit dem MLR-Team abgestimmt?
  • Wo dokumentieren wir das Ergebnis, damit es in das nächste Briefing einfließt?

Die Verbindung von Paid Media, Creative-Testing sowie Content- und Videoproduktion kann Pharma-Teams dabei helfen, Testplanung, modulare Produktion und Freigabeprozesse von Beginn an aufeinander abzustimmen. Dr. Kaske unterstützt diese Verzahnung entlang des Kampagnenprozesses.

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QUELLENVERZEICHNIS

  1. Meta Engineering: Meta Andromeda: Supercharging Advantage+ automation with the next-gen personalized ads retrieval engine, 2. Dezember 2024. Funktionsweise von Andromeda und von Meta selbst berichtete Verbesserungen.
  2. Meta Business Help Center: About Meta Advantage+.
  3. Meta for Business: Advantage+ Audience. Zielgruppenvorschläge, Ausweitung und feste Zielgruppenkontrollen; enthält Metas eigene Leistungsangaben.
  4. Meta for Business: Removing Certain Ad Targeting Options and Expanding Our Ad Controls, November 2021. Entfernung sensibler Detailed-Targeting-Optionen ab Januar 2022.
  5. Meta Business Help Center: Hilfeartikel zu Datenquellen-Kategorien im Events Manager. Einordnung von Datenquellen und mögliche Einschränkungen der Datenweitergabe.
  6. Jon Loomer Digital: Meta Andromeda: What It Means for Your Ad Strategy, Dezember 2025. Sekundärquelle für Metas Aussage zur Verschiebung von Nischen-Targeting zu Creative-Diversifizierung.
  7. Jon Loomer Digital: Creative Fatigue: What It Is and How to Prevent It. Einordnung der Auslieferungshinweise zu Creative Fatigue im Meta Ads Manager.
  8. Google Ads-Hilfe: About Performance Max campaigns. Asset-Gruppen, KI-gestützte Ausspielung und Zielgruppensignale.
  9. Google Ads: Our Guide on Performance Max Campaigns, 2025. Smart Bidding, automatisch erstellte Assets und Final-URL-Erweiterung.
  10. Google Ads-Hilfe: Set up a custom experiment. Änderungen während Experimenten, Anzeigenprüfung und Mindestgröße von Zielgruppenlisten.
  11. Google Advertising Policies Help: Health in personalized advertising.
  12. Google Advertising Policies Help: Restricted targeting in Personalized advertising.
  13. Google Advertising Policies Help: Update to the Personalized advertising policy (May 2025). Klarstellung zu Inhalten für Angehörige der Gesundheitsberufe.
  14. Google Advertising Policies Help: Pharmaceutical manufacturers. Länder, in denen Arzneimittelhersteller verschreibungspflichtige Arzneimittel bewerben dürfen.
  15. Google Advertising Policies Help: Healthcare and medicines: Prescription drug services. Separate Länder- und Zertifizierungsregeln für Dienstleistungen im Zusammenhang mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln.
  16. Circana / NCSolutions: The five keys to advertising effectiveness are creative, brand, targeting, reach and recency, 2023. Metaanalyse von rund 450 Konsumgüter-Kampagnen; nicht pharma- und nicht DACH-spezifisch.
  17. MarketingCharts: Creative’s Still the Biggest Driver of Sales, Analysis Finds, but Brand’s Influence Rises. Sekundärquelle für den Targeting-Anteil in der NCSolutions-Analyse.
  18. Google / Think with Google: YouTube video ad creative (ABCDs), mit Verweis auf Google/Kantar Link AI, global, 2021.
  19. Kantar: Validating Google’s ABCD framework with the power of artificial intelligence. Methodik der modellbasierten Analyse von rund 11.000 Anzeigen.
  20. Bundesministerium der Justiz: Heilmittelwerbegesetz (HWG), Gesamttext, insbesondere §§ 4 und 11.
  21. Bundesministerium der Justiz: § 10 HWG.
  22. beck-aktuell: Bericht zu OLG Köln, Urteil vom 11. September 2025, Az. 6 U 118/24 (Pflichthinweis in Instagram-Reels).
  23. Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), Österreich: Arzneimittelgesetz, § 51 Laienwerbung.
  24. Fedlex, Schweiz: Bundesgesetz über Arzneimittel und Medizinprodukte (Heilmittelgesetz, HMG), SR 812.21, insbesondere Art. 31 und 32.
Alina Seelinger
Text - Autor/in:
Alina Seelinger
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    Fabian Kaske

    Managing Director

    Hi,

    ich bin Fabian und Managing Director von Dr. Kaske und in allen relevanten Projekten mit Herz und Seele involviert. Neben der Unternehmensführung promoviere ich extern an der Universität Augsburg zum Thema Online-Marketing-Kommunikation. Vor dem Einstieg in die väterliche Agentur sammelte ich Erfahrung in der Unternehmensberatung Oliver Wyman sowie bei Procter & Gamble. Davor absolvierte ich ein Managementstudium in Oestrich-Winkel (EBS), Singapur (NUS), Paris (ESCP) und Hong Kong (CUHK). Somit schuf ich mir die Voraussetzungen Experte in meinem Fachgebiet zu sein und gehe als gutes Beispiel für die Mitarbeiter voran.

    Funfact über Fabian: Als Kind hatte ich langes und strohblondes Haar – einige Frauen sind sicher neidisch gewesen. 

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