Warum Omnichannel trotz funktionierender Kanäle oft scheitert
Lesedauer: 6 Minuten
Omnichannel im Pharma-Marketing: Warum die Wirkung trotz Websites, E-Mail & Außendienst ausbleibt
Omnichannel ist im Pharma-Marketing längst Realität. Websites, Außendienst, E-Mail, CLM, Fachportale und Events sind etabliert, professionalisiert und operativ meist gut aufgestellt. Und dennoch bleibt die Wirkung in vielen Organisationen spürbar hinter den Erwartungen zurück. Nicht, weil Kanäle fehlen. Nicht, weil Inhalte unzureichend wären. Sondern weil Omnichannel häufig als Summe funktionierender Einzelmaßnahmen verstanden wird, nicht als steuerbares System. Unternehmen investieren kontinuierlich in neue Touchpoints, Kampagnen und Formate, während eine zentrale Frage unbeantwortet bleibt:
Wer steuert eigentlich die Journey? Dieser Beitrag zeigt, warum Omnichannel-Programme im Pharma-Marketing oft scheitern, obwohl alle Kanäle funktionieren – und weshalb die eigentliche Herausforderung nicht operativ, sondern strukturell ist.
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DER HÄUFIGSTE DENKFEHLER: OMNICHANNEL ALS KANALPROBLEM
In vielen Organisationen hält sich die Annahme, dass eine integrierte Customer Journey automatisch entsteht, sobald alle relevanten Kanäle bespielt werden. Diese Annahme ist trügerisch. Kanäle liefern isoliert betrachtet häufig solide Ergebnisse. Reichweiten stimmen, Öffnungsraten sind stabil, Außendienstkontakte werden sauber dokumentiert. Und doch entsteht aus Sicht der Zielgruppe kein konsistentes Erlebnis. Der Grund liegt nicht in der Leistungsfähigkeit der Kanäle, sondern in ihrer fehlenden Orchestrierung.
Omnichannel ist kein Distributionsproblem, sondern ein Steuerungsproblem.
Solange jeder Kanal nach eigener Logik optimiert wird, entsteht Parallelkommunikation, aber keine Journey.
02
VIELE KANÄLE ABER KEINE JOURNEY
Journeys entstehen nicht durch Gleichzeitigkeit, sondern durch bewusste Sequenzierung.
Im Pharma-Marketing fehlt jedoch häufig eine verbindliche Logik dafür,
- welcher Kontaktpunkt welche Funktion erfüllt,
- wann ein Kanal gezielt aktiviert oder bewusst pausiert wird,
- und welche Information zu welchem Zeitpunkt nicht kommuniziert werden sollte.
Das Ergebnis sind Kampagnen, die nebeneinander existieren, jede für sich sinnvoll, aber ohne übergreifenden Spannungsbogen.
Ein typisches Praxisbild:
Eine Ärztin oder ein Arzt erhält innerhalb kurzer Zeit drei unterschiedliche Botschaften aus demselben Unternehmen: Ein Mailing zu Studie A, ein Außendienstgespräch zu Indikation B und eine Einladung zu Thema C. Jede Maßnahme ist einzeln betrachtet logisch geplant. In der Summe entsteht jedoch keine Relevanz, sondern kommunikatives Rauschen.
Omnichannel-Wirkung entsteht erst dann, wenn Kontaktpunkte aufeinander aufbauen – nicht, wenn sie sich gegenseitig überholen.
03
Ein zentrales Problem vieler Omnichannel-Programme ist fehlende Governance.
In zahlreichen Setups bleibt unklar,
- wer die übergreifende Journey verantwortet,
- wer Prioritäten zwischen Kanälen setzt,
- und wer im Zweifel entscheidet, welcher Kanal bewusst verzichtet.
Ohne diese Klarheit wird Omnichannel zu einem Abstimmungsprodukt – nicht zu einem Führungsthema. Teams optimieren lokal, Budgets werden kanalweise verteilt und Entscheidungen vertagt. Ohne Governance ist Omnichannel kein System, sondern ein Kompromiss. Omnichannel ist keine Tool- oder Contentfrage. Es ist eine Frage von Entscheidungsstrukturen.
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Die Verzahnung von Außendienst und digitalen Kanälen gilt als Königsdisziplin im Pharma-Marketing. In der Praxis scheitert sie jedoch selten an Akzeptanz oder Technologie, sondern an fehlender zeitlicher und inhaltlicher Orchestrierung.
Wenn digitale Maßnahmen unabhängig vom persönlichen Kontakt geplant werden oder umgekehrt, entsteht Reibung. Nicht nur für Ärztinnen und Ärzte, sondern auch für interne Teams.
Entscheidend ist nicht, dass alle Kanäle vorhanden sind, sondern wann und warum sie eingesetzt werden. Ohne gemeinsame Steuerungslogik bleibt Integration ein Lippenbekenntnis.
05
Viele Omnichannel-Setups messen Erfolg weiterhin kanalweise.
Öffnungsraten, Klicks, Kontakte, Reichweite.
Was dabei fehlt, sind Kennzahlen, die die Verbindung zwischen Touchpoints sichtbar machen.
Dazu gehören etwa:
- die Wiedererkennung zentraler Themen über mehrere Berührungspunkte hinweg,
- die Konsistenz von Kernbotschaften,
- die zeitliche Anschlussfähigkeit zwischen Kontakten.
Omnichannel braucht KPIs, die Verbindung messen – nicht nur Performance einzelner Kanäle.
06
Der vielleicht größte Irrtum im Pharma-Marketing ist die Annahme, Omnichannel lasse sich über Kampagnen lösen. Journeys lassen sich jedoch nicht als Kampagnen denken oder abbilden. Sie erfordern klare Steuerungsmodelle, definierte Entscheidungsräume, Priorisierung statt Addition und den Mut zum Weglassen.
Solange Omnichannel wie eine Kampagne gemanagt wird, kann er nicht wirken wie ein System.
Erst wenn Omnichannel als Management- und Führungsaufgabe verstanden wird, entfaltet er seine strategische Wirkung.
07
Die meisten Pharma-Unternehmen verfügen heute über leistungsfähige Kanäle und hochwertige Inhalte. Was häufig fehlt, ist strategische Nüchternheit in der Steuerung.
Omnichannel scheitert nicht an Technik. Er scheitert an fehlender Klarheit über Verantwortung, Prioritäten und Entscheidungsbefugnisse.
Wer Omnichannel ernst nimmt, muss weniger optimieren und mehr entscheiden.
Drei Fragen für Ihre nächste Strategieklausur
- Wer in unserer Organisation hat die finale Entscheidungsbefugnis, eine Maßnahme in Kanal X zu stoppen, um die Gesamtwirkung der Journey nicht zu gefährden?
- Welche Kernbotschaft muss eine Zielgruppe über mehrere Touchpoints hinweg wiedererkennen, damit wir tatsächlich von einer Journey sprechen können?
- Messen wir heute vor allem, wie gut einzelne Kanäle funktionieren oder bereits, wie gut sie ineinandergreifen?
Zeit für eine ehrliche Omnichannel-Bestandsaufnahme
Viele Omnichannel-Programme sind operativ gut aufgesetzt, aber strukturell überfordert.
Wir unterstützen Pharma- und Healthcare-Unternehmen dabei, Omnichannel nicht weiter auszubauen, sondern endlich wirksam zu steuern.
08
- BCG – How biopharma and medtech leaders can get omnichannel right
https://www.bcg.com/publications/2025/how-biopharma-medtech-leaders-can-get-omnichannel-right
- PMLive – Why omnichannel success is about orchestration
https://pmlive.com/intelligence/setting-out-why-omnichannel-success-is-about-orchestration/
- Eraneos – Effective omnichannel needs customer journey orchestration
https://www.eraneos.com/articles/effective-omnichannel-needs-customer-journey-orchestration/
Text – Autor/in: Dennis Ludwig
Online Marketing Manager und Jr. KI- & Automation Manager bei Dr. Kaske.
Spezialisiert auf E-Mail Marketing.
Veröffentlicht am:
15.01.2026
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