DR. KASKE EXPERTEN INTERVIEW

E-Mail-Marketing im Pharma- und Healthcare-Bereich

Wie KI, Personalisierung und Automation die Kundenkommunikation verändern.

Home » Leistungen » Paid Media für Pharma & Healthcare » Paid Media Experteninterview

⏱ Lesezeit: ca. 17 Minuten

E-Mail-Marketing gehört auch im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz zu den wichtigsten digitalen Touchpoints im Pharma- und Healthcare-Marketing. Doch Personalisierung, Automation, Datenschutz und verändertes Nutzerverhalten stellen Unternehmen vor neue Herausforderungen. Im Experteninterview mit Dennis Ludwig geht es darum, wie KI das E-Mail-Marketing verändert, welche Rolle menschliche Expertise weiterhin spielt und wie relevante, individuelle und zugleich compliant umgesetzte Kommunikation gelingen kann.

Dennis Ludwig
01

E-Mail-Marketing: Relevanz & KI

Welche Rolle spielt E-Mail-Marketing heute für Pharma- und Healthcare-Unternehmen und warum bleibt der Kanal trotz Künstlicher Intelligenz (KI) weiterhin so relevant?

E-Mail bleibt einer der zuverlässigsten Kanäle im Healthcare-Marketing, weil er direkt, planbar und messbar ist. Gerade bei Ärztinnen und Ärzten ist E-Mail nach wie vor fest im beruflichen Alltag verankert.

Gleichzeitig lässt sich der Kanal sehr gut mit anderen Maßnahmen verbinden, zum Beispiel mit Webinaren, Paid Media, Social Media oder weiterführenden Inhalten auf der Website. Dabei unterscheidet sich die Kommunikation natürlich je nach Zielgruppe: Bei HCPs stehen häufig Fachinformationen, Fortbildungen oder Services im Mittelpunkt, bei Patientinnen und Patienten eher Aufklärung, Orientierung und unterstützende Inhalte.

KI verdrängt E-Mail deshalb nicht. Sie hilft vielmehr dabei, den Kanal relevanter, individueller und effizienter zu nutzen.

02

Aktuelle Herausforderungen

Welche Herausforderungen gibt es aktuell in Bezug auf E-Mail-Marketing für Pharma- und Healthcare-Unternehmen?

Die größte Herausforderung ist das Spannungsfeld zwischen Relevanz und Regulatorik. Regulatorische Vorgaben wie das HWG, Pharmakovigilanz-Anforderungen und interne Freigabeprozesse müssen von Anfang an berücksichtigt werden, während gleichzeitig die Erwartung an aktuelle und personalisierte Kommunikation steigt.

Hinzu kommt das Consent-Management. Opt-ins müssen sauber dokumentiert und gepflegt werden, sowohl aus Datenschutz- als auch aus Qualitätsgründen.

Und natürlich konkurriert jede E-Mail mit vielen anderen Nachrichten um Aufmerksamkeit. Gerade deshalb reicht es nicht, einfach regelmäßig etwas zu versenden. Der Inhalt muss schnell zeigen, warum er für den Empfänger relevant ist.

03

Vom Newsletter zur Customer Journey

Wie hat sich E-Mail-Marketing im Healthcare-Bereich in den letzten fünf Jahren verändert?

Der größte Wandel ist der Weg vom Massen-Newsletter hin zu stärker individualisierten Kommunikationsstrecken.

Statt ein Rundschreiben an die gesamte Verteilerliste zu schicken, können Inhalte heute deutlich gezielter ausgespielt werden zum Beispiel abhängig von Fachrichtung, Interessen oder vorherigen Interaktionen.

Auch Marketing Automation spielt eine größere Rolle. Nach einer Webinar-Anmeldung oder dem Download eines Fachinhalts können beispielsweise passende Folgeinformationen ausgespielt werden, anstatt jeden Kontakt isoliert zu betrachten.

Gleichzeitig sind Datenschutz und Consent noch stärker in den Mittelpunkt gerückt. Ein sauberes Consent-Management gehört heute von Anfang an zur Kampagnenplanung. Und auch das Nutzerverhalten hat sich verändert: Es wird viel mobil gelesen, Aufmerksamkeitsspannen sind kürzer und Inhalte müssen ihren Mehrwert sehr schnell vermitteln.

04

KI & die Zukunft von E-Mail

Welche Entwicklungen durch KI werden das E-Mail-Marketing in den nächsten drei bis fünf Jahren vielleicht am stärksten verändern?

Ich erwarte vor allem, dass E-Mail-Kommunikation durch KI deutlich individueller wird.

Dabei geht es nicht nur darum, unterschiedliche Betreffzeilen zu erstellen. KI wird zunehmend dabei helfen zu entscheiden, welcher Inhalt für welche Zielgruppe relevant ist, welcher Zeitpunkt für die Kommunikation sinnvoll ist und welcher nächste Kontaktpunkt passen könnte.

Auch Content-Erstellung, Visuals und Automatisierungen werden stärker zusammenspielen. Dadurch können schneller verschiedene Varianten entwickelt und Kommunikationsstrecken flexibler aufgebaut werden.

Gerade im Pharma- und Healthcare-Bereich muss das aber innerhalb klar definierter und freigegebener Rahmenbedingungen passieren. Die spannende Entwicklung wird deshalb die Verbindung aus KI, Automation und freigegebenen Inhalten sein, nicht eine komplett unkontrollierte Automatisierung.

05

KI im Arbeitsalltag

Wie nutzt Du KI heute bereits im E-Mail-Marketing? In welchen Bereichen spart sie Zeit oder verbessert Prozesse?

Ich nutze KI heute schon relativ vielseitig. Tools wie ChatGPT, Claude oder Gemini helfen mir zum Beispiel bei der Entwicklung und Optimierung von Betreffzeilen, bei ersten Content-Entwürfen oder dabei, bestehende Inhalte für unterschiedliche Formate aufzubereiten.

Ein weiterer Bereich sind Automatisierungen. KI hilft mir dabei, sinnvolle Abläufe und Kommunikationsstrecken zu konzipieren und zu überlegen, welcher nächste Schritt nach einer bestimmten Interaktion sinnvoll sein könnte.

Auch bei der visuellen Umsetzung nutze ich KI inzwischen regelmäßig, zum Beispiel für erste Bildideen, Visuals oder unterschiedliche kreative Ansätze.

Der größte Vorteil ist für mich, dass ich schneller von einer Idee zu einer guten ersten Version komme. Ich muss nicht bei null anfangen, sondern kann verschiedene Ansätze entwickeln und gezielt weiterarbeiten. Die finale inhaltliche, visuelle und regulatorische Bewertung bleibt aber natürlich bei uns.

06

KI vs. menschliche Expertise

Welche Aufgaben übernimmt künstliche Intelligenz heute bereits besser als Menschen und wo bleibt menschliche Expertise unverzichtbar?

Bei der Verarbeitung großer Datenmengen, bei Mustererkennung und bestimmten Routineaufgaben hat KI klare Vorteile. Sie ist schnell, konsistent und kann sehr viele Varianten gleichzeitig verarbeiten.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie auch die besseren Entscheidungen trifft.

Gerade im Healthcare-Bereich braucht es Menschen, die den Kontext verstehen: Ist eine Aussage medizinisch korrekt? Passt die Tonalität zur Zielgruppe? Ist etwas regulatorisch problematisch? Und ist die Kommunikation überhaupt sinnvoll?

KI ersetzt im Pharma-Umfeld nicht die fachliche Verantwortung. Sie schafft vielmehr Freiraum, damit wir uns stärker auf Strategie, Qualität und die wirklich wichtigen Entscheidungen konzentrieren können.

07

Grenzen von KI

Wo liegen die Grenzen von künstlicher Intelligenz im E-Mail-Marketing, insbesondere im Pharma- und Healthcare-Bereich?

Die Grenzen liegen vor allem bei medizinischer Genauigkeit, regulatorischer Bewertung und Verantwortung.

Eine KI kann regulatorische Vorgaben kennen und berücksichtigen. Sie kann aber nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dass eine medizinische Aussage korrekt ist oder eine Kommunikation regulatorisch einwandfrei umgesetzt wurde.

Gerade bei gesundheitsbezogenen Inhalten können kleine Formulierungsunterschiede eine große Bedeutung haben. KI kann Inhalte vorbereiten und Prüfprozesse unterstützen, die fachliche, medizinische und regulatorische Verantwortung bleibt jedoch beim Menschen.

Deshalb braucht es auch bei KI-gestützten Kampagnen klare Prozesse und menschliche Kontrolle.

08

Personalisierung & Datenschutz

Wie gelingt erfolgreiche Personalisierung im E-Mail-Marketing, ohne dabei Vertrauen oder Datenschutz zu gefährden?

Gute Personalisierung beginnt für mich nicht damit, möglichst viele Daten zu sammeln, sondern die richtigen Daten sinnvoll einzusetzen.

Wenn jemand beispielsweise bestimmte Themen ausgewählt hat, wir die Fachrichtung kennen oder ein Interesse bewusst geäußert wurde, reicht das häufig schon aus, um deutlich relevantere Inhalte anzubieten.

Eine Dermatologin braucht beispielsweise andere Fachinformationen oder Fortbildungsangebote als ein Allgemeinmediziner. Dafür muss ich aber nicht jedes digitale Verhalten dieser Personen kennen.

Personalisierung sollte sich hilfreich anfühlen und nicht so, als würde man beobachtet. Sie muss einen echten Mehrwert bieten und darf nicht nur daraus bestehen, den Namen in die Betreffzeile zu schreiben. Transparenz, eine saubere Einwilligung und eine einfache Abmeldemöglichkeit sind dafür die Grundlage.

09

Erfolg & relevante KPIs

Wie lässt sich der Erfolg von E-Mail-Marketing im Pharma- und Healthcare-Bereich sinnvoll messen? Welche KPIs sind wirklich relevant?

Öffnungs- und Klickraten sind weiterhin interessante Kennzahlen, erzählen aber nur einen Teil der Geschichte. Gerade Öffnungsraten sind durch technische Entwicklungen wie Apple Mail Privacy Protection heute weniger eindeutig als früher.

Spannender ist deshalb, was nach dem Öffnen oder Klick passiert.

Meldet sich jemand zu einem Webinar an? Wird ein Fachinhalt heruntergeladen? Werden weitere relevante Inhalte auf der Website besucht? Bleibt die Person über einen längeren Zeitraum aktiv?

Welche KPI wirklich wichtig ist, hängt immer vom Ziel der Kommunikation ab. Für mich ist eine kleinere, aktive Zielgruppe am Ende wertvoller als ein riesiger Verteiler, der kaum noch mit den Inhalten interagiert. Entscheidend ist nicht die einzelne Kampagne, sondern ob langfristig eine relevante Beziehung zur Zielgruppe entsteht.

10

Häufige Fehler

Welche Fehler machen Pharma- und Healthcare-Unternehmen im E-Mail-Marketing heute am häufigsten?

Ein häufiger Fehler ist, E-Mail-Marketing zu stark aus Produkt- oder Unternehmenssicht zu denken. Wenn eine E-Mail hauptsächlich das kommuniziert, was das Unternehmen erzählen möchte, aber wenig Mehrwert für den Empfänger bietet, wird sie schnell ignoriert.

Ein weiterer Fehler ist fehlende Segmentierung. Wenn unterschiedliche Fachgruppen unabhängig von ihren Interessen immer dieselben Inhalte erhalten, verliert der Kanal schnell an Relevanz.

Und E-Mail wird teilweise noch zu isoliert betrachtet. Gerade im Healthcare-Marketing entsteht ein großer Mehrwert, wenn E-Mail sinnvoll mit Website, Webinaren, Paid Media, Social Media oder auch dem Außendienst zusammenspielt. Dann entsteht aus einzelnen Maßnahmen eine zusammenhängende Kommunikation.

11

Was erfolgreiche E-Mails ausmacht

Was unterscheidet aus Deiner Sicht wirklich erfolgreiches E-Mail-Marketing von durchschnittlichem E-Mail-Marketing, insbesondere im Pharma- und Healthcare-Bereich?

Durchschnittliches E-Mail-Marketing versendet regelmäßig. Erfolgreiches E-Mail-Marketing versendet relevant.

Der Unterschied liegt für mich vor allem darin, ob wirklich vom Empfänger aus gedacht wird und nicht vom Versandplan des Unternehmens. Entscheidend ist, welcher Inhalt gerade weiterhilft, welches Format dazu passt und welcher nächste Kontaktpunkt sinnvoll wäre.

Dabei muss es auch nicht immer der klassische Newsletter sein. Je nach Situation kann ein kompakter Fachguide, eine Checkliste, eine Webinar-Einladung oder eine automatisierte Informationsserie deutlich sinnvoller sein.

Erfolgreiches E-Mail-Marketing ist deshalb für mich keine Abfolge einzelner Kampagnen, sondern ein kontinuierlicher Dialog mit der Zielgruppe, der mit der Zeit immer besser wird.

12

E-Mail-Marketing der Zukunft

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Wenn Du das E-Mail-Marketing in zehn Jahren beschreiben müsstest, wie würde der ideale Newsletter oder die perfekte Kundenkommunikation aussehen?

Ich stelle mir eine E-Mail-Kommunikation vor, die sich fast wie ein persönlicher Assistent anfühlt: Inhalte erscheinen nicht einfach nach einem starren Sendeplan, sondern dann, wenn sie für die jeweilige Person tatsächlich relevant sind.

Für HCPs könnte das beispielsweise eine Art kuratierter Wissensstrom sein, der Studien, Fortbildungen, Fachinformationen und relevante Inhalte für den Praxisalltag individuell priorisiert.

Wichtig ist mir dabei aber: So intelligent und personalisiert die Kommunikation auch wird, am Ende muss die Person auf der anderen Seite spüren, dass echte Menschen für Qualität und Richtigkeit der Inhalte geradestehen.

Technologie kann vieles verbessern und automatisieren. Vertrauen bleibt aber die eigentliche Währung.

Bild von Dennis

Text – Autor/in: Dennis Ludwig

Paid Media Lead

Veröffentlicht am:
17.09.2026

Shares

Lernen Sie uns kennen!

Vereinbaren Sie jetzt ein unverbindliches Kennenlern-Gespräch mit unserer Head of Agency: Julia Hahn.

    Sie haben Fragen? Wir beraten Sie gerne.

    Fabian-Kaske-2

    Fabian Kaske

    Managing Director

    Hi,

    ich bin Fabian und Managing Director von Dr. Kaske und in allen relevanten Projekten mit Herz und Seele involviert. Neben der Unternehmensführung promoviere ich extern an der Universität Augsburg zum Thema Online-Marketing-Kommunikation. Vor dem Einstieg in die väterliche Agentur sammelte ich Erfahrung in der Unternehmensberatung Oliver Wyman sowie bei Procter & Gamble. Davor absolvierte ich ein Managementstudium in Oestrich-Winkel (EBS), Singapur (NUS), Paris (ESCP) und Hong Kong (CUHK). Somit schuf ich mir die Voraussetzungen Experte in meinem Fachgebiet zu sein und gehe als gutes Beispiel für die Mitarbeiter voran.

    Funfact über Fabian: Als Kind hatte ich langes und strohblondes Haar – einige Frauen sind sicher neidisch gewesen. 

    So können Sie Fabian erreichen: