Das E-Rezept Wiki

Hier finden Sie alle Informationen rund um das elektronische Rezept.

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Lesedauer: 16 Minuten
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WAS IST DAS E-REZEPT?

Definition:

Das elektronische Rezept (E-Rezept) ist das digitale Pendant zum Papierrezept. Mithilfe des E-Rezeptes wird es Ärzten möglich sein, Rezept zu erstellen und dem Patienten mittels Gesundheitsapplikation und durch Ende-zu-Ende-verschlüsselter Übertragung digital bereitzustellen.

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WO GIBT ES DAS E-REZEPT SCHON?

England testet bereits seit 13 Jahren das elektronische Rezept und kehrt dem Papierrezept stufenweise den Rücken. Bereits 69% aller in 2019 eingereichten Rezepte sind elektronischer Art gewesen.

Norwegen: Letztes Jahr wurden bereits 89% aller Rezepte als E-Rezept eingereicht.
Schweden: Schweden gehört zu den Ländern, die sich bereits vor längerer Zeit für ein digitales Gesundheitssystem entschieden haben. So werden Gesundheitsdaten über das Breitbandnetzwerk Sjunet übertragen und sämtliche Gesundheitsdienstleistungen, wie das E-Rezept über dieses System abgewickelt. 2019 waren 99% aller eingereichten Rezepte elektronisch.
Finnland & Estland: In beiden Ländern ist die Digitalisierung im HealthCare Bereich bereits auf einem anderen Level angelangt: Als Vorreiter ermöglichen Estland und Finnland das Einlösen von digitalen Rezepten in anderen EU-Staaten. Es ist finnischen Patienten somit möglich, ihr Rezept in Estland einzulösen.
Niederlande: Bereits 97% der niederländischen Bevölkerung hat 2019 digitale Rezepte eingelöst
Dänemark: Das E-Rezept gilt in Dänemark lang nicht mehr als Innovation. Im letzten Jahr wurden 95% der Rezepte in digitaler Form eingelöst.
Litauen: Das National Healthcare Record System (NHR), das von Nortal für Litauen entworfen wurde, hat den Übergang vom klassischen, zum elektronischen Rezept ermöglicht. 2019 waren 84% der Rezepte E-Rezepte.
Lettland und Schweiz: Mit bisher lediglich 20% E-Rezept-Anteil lag Lettland unter den restlichen europäischen Ländern 2019 noch an vorletzter Stelle. Den letzten Platz belegt mit ca. 11% die Schweiz
Slowenien, Portugal, Spanien: Mit jeweils knapp 98% E-Rezept-Anteil haben Slowenien, Portugal und Spanien das elektronische Rezept fast vollständig in das Gesundheitssystem integriert. Lediglich 2% der eingereichten Rezepte im Jahr 2019 wurden in Papierform eingelöst.
Kroatien und Rumänien: Spitzenreiter im Jahr 2019 waren Kroatien und Rumänien. In dem letzten Jahr wurden jeweils 100% aller Rezepte in elektronischer Form eingelöst.
Weitere Länder, die das E-Rezept bereits eingeführt haben: Tschechien, Ungarn, Slowakei, Montenegro, Mazedonien.
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WANN WIRD DAS E-REZEPT EINGEFÜHRT?

Mit der Einführung des Gesetzes für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) am 16. August 2019 sind die Regelungen für das E-Rezept festgesetzt worden. Es gibt viele Pilotprojekte, die das elektronische Rezept bereits in verschiedenen Bundesländern testen. Eine einheitliche Standard-Applikation soll von der Gematik – der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte – folgen. Am 30. Juni 2020 sollen hierzu die Regelungen mit technischen Spezifikationen stehen. 2021 ist dann die Einführung des elektronischen Rezeptes geplant, so Jens Spahn.

2021

Einführung E-Rezept

Voraussichtliche Einführung des E-Rezeptes

2020

Start E-Rezept

Rechtliche Voraussetzungen sollen geschaffen werden
2019

Weitere Gesetze

Weitere Gesetze werden eingeführt: GSAV, TSVG; Modellprojekt GERDA startet

2018

Neuer Gesundheitsminister

Jens Spahn wird neuer Gesundheitsminister und nimmt das Thema E-Rezept wieder auf; möchte zeitnahe Einführung verwirklichen

2015

eHealth

eHealth-Gesetz wird eingeführt

2005

eGK

Gesundheitskarte soll von Gematik gepflegt und weiterentwickelt werden

2004

Gesundheitsreform

Grundstein für elektronische Gesundheitskarte wird gelegt, Versandhandel mit Arzneimitteln wird zugelassen; soll den Weg für E-Rezept freimachen. Projekt scheitert.

2002

Feldversuch E-Rezept

erster erfolgreiche Feldversuch für das E-Rezept in einer Apotheke

2001

Ulla Schmidt Bundesgesundheits­ministerin

Sieht Vorteile im E-Rezept

2000ER-JAHRE

Frank Diener (ehem. ABDA-Geschäftsführer)

E-Rezept-Einführung wird Beginn von Digitalisierung im Gesundheitswesen sein.

1998

Hermann S. Keller (ehem. DAV-Vorsitzender):

Abrechnungssystem für die Zukunft ist in Bearbeitung; Ablöse von Papierrezept durch E-Rezept sei absehbar

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WIE WIRD DAS E-REZEPT AUSGESTELLT?

Damit ein Arzt ein E-Rezept ausstellen kann, muss die Praxis zunächst diverse Grundvoraussetzungen erfüllen, die alle im Zusammenhang mit der Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) stehen.

Durch die Aushändigung eines Praxisausweises muss die Praxis zunächst als medizinische Einrichtung anerkannt und für die Teilnahme an der TI authentifiziert werden. Dieser Praxisausweis dient in Kombination mit einer PIN zur Anmeldung über ein Kartenterminal an der TI. Speziell zertifizierte und von der Gematik zugelassene sogenannte Konnektoren stehen in Verbindung mit dem Kartenterminal und dem Praxisverwaltungssystem. Der Konnektor ähnelt einem DSL-Router, gewährleistet jedoch ein sehr viel höheres Sicherheitsniveau, und stellt ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) zur TI her. Er enthält auch das notwendige Modul für das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM). Der spezielle von der Gematik zertifizierte VPN-Zugangsdienst ermöglicht eine vom Internet völlig abgeschirmte Kommunikation unter Verwendung modernster Verschlüsselungstechnologien.

Ist die Verbindung von der Arztpraxis zur TI hergestellt, kann der Arzt über seine Praxissoftware – das Praxisverwaltungssystem (PVS) – ein E-Rezept erstellen und verschlüsselt an einen E-Rezept-Server übermitteln. Kurz darauf erhält der Patient einen dazugehörigen Zugriffscode auf sein Smartphone – das E-Rezept gilt dann als ausgestellt.
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WIE KANN ELEKTRONISCHES REZEPT EINGELÖST WERDEN?

Nachdem der Arzt das E-Rezept erstellt hat und es verschlüsselt an einen Server gesendet wurde, erhält der Patient vom Arzt einen entsprechenden Zugriffscode. Diesen Code erhält der Patient über eine zentrale App, die von der Gematik entwickelt und bereitgestellt wird. Nun kann der Patient entweder weiter die Gematik-App nutzen oder zu einer App eines anderen Anbieters wechseln. Denn sobald sich der Patient entschieden hat, in welcher Apotheke er das E-Rezept einlösen möchte, dienen ihm die Apps der Übermittlung des Zugriffscodes.

Entscheidend ist, dass der Patient das E-Rezept sowohl online in einer Versandapotheke als auch vor Ort in einer stationären Apotheke einlösen kann. Die Apotheke kann mit Hilfe des übermittelten Codes auf das E-Rezept auf dem Server zugreifen und es mit der eigenen Software entschlüsseln. Anschließend kann sie das verordnete Arzneimittel an den Patienten ausliefern beziehungsweise aushändigen. Damit gilt das Rezept als eingelöst und der Status der Verordnung wird entsprechend geändert, bevor die Apotheke das E-Rezept an das Apothekenzentrum sendet. Dieses leitet das Rezept anschließend zur Abrechnung an die jeweilige Krankenkasse des Patienten weiter.

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WIRD DAS PAPIERREZEPT KOMPLETT ABGELÖST?

Nach jetzigem Stand wird das Papierrezept mit der Einführung des E-Rezeptes nicht vollständig und vor allem nicht umgehend ersetzt werden. Nach wie vor kann der Patient auf Wunsch ein Papierrezept erhalten und dieses wie gewohnt in der Apotheke vor Ort oder auf postalischem Wege bei einer Online-Apotheke der eigenen Wahl einlösen.
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WELCHE NACHTEILE HAT DAS E-REZEPT?

Eine Sorge, die den Verbraucher im Rahmen des E-Rezeptes beunruhigt, ist das Thema des Datenschutzes. Voraussetzung für einen sicheren Umgang mit den hochsensiblen Patientendaten ist die Anbindung aller Akteure im Gesundheitswesen an die sogenannte Telematikinfrastruktur. Die Ausstattung von Ärzten, Apotheken und Krankenkassen mit der benötigten Hard- und Software ist sowohl mit Kosten als auch bürokratischem Aufwand verbunden.

Ist die Hürde des Datenschutzes genommen, blicken zumindest die stationären Apotheken dennoch in eine unsichere Zukunft. Durch das E-Rezept wird es für die Versender in Ballungsräumen einfacher, den Vor-Ort-Apotheken das bisherige Alleinstellungsmerkmal der SDD für verschreibungspflichtige Medikamente streitig zu machen. Prognosen deuten darauf hin, dass auf Grund von damit verbundenen Umsatzeinbußen gegenüber der Online-Apotheke, bis zum Jahr 2030 jede Dritte Offizinapotheke schließen könnte. Dadurch schwindet die örtliche Versorgungslage und der persönliche Kontakt zum Apotheker, mit seiner erklärenden und beratenden Funktion, entfällt zunehmend.

Auch der persönliche Kontakt zum behandelnden Arzt könnte im Zuge des E-Rezeptes und neuen E-Health-Lösungen wie Online-Sprechstunden abnehmen. Während auf der einen Seite maximale Flexibilität und Zeitersparnis stehen, könnte auf der anderen Seite die Qualität der Diagnosen sinken, da körperliche Untersuchungen ausbleiben.

Nicht zuletzt kann auch die Handhabbarkeit der neuen Technologie eine Herausforderung insbesondere für ältere Menschen darstellen. Personen, die den Umgang mit mobilen Endgeräten nicht gewöhnt sind und selten online Waren beziehen, werden kaum Vorteile in der neuen Abwicklungsmethode sehen.

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WELCHE VORTEILE HAT DAS E-REZEPT?

Ein großer Vorteil des E-Rezepts ist sicherlich die Nutzerfreundlichkeit: die digitale Zurverfügungstellung des Rezeptes in Form eines verschlüsselten Codes ermöglicht dem Patienten, das Rezept zum Beispiel per Smartphone-App sicher und bequem bei einer Online-Apotheke seiner Wahl einzulösen, während der Versand anschließend direkt nach Hause erfolgt. Der Gang zur Apotheke vor Ort oder zum Briefkasten, um das Rezept bei einer Online-Apotheke einzulösen, kann sich folglich gespart werden. Gleichzeitig ist es bei Belieben aber weiterhin möglich, auch das elektronische Rezept in der örtlichen Stamm-Apotheke einzulösen – hierbei entfällt lediglich die bisherige Zettelwirtschaft.

Der Patient hat also diverse Optionen und kann die für sich komfortabelste Variante wählen. Darüber hinaus ermöglicht das E-Rezept auch eine effizientere Abrechnung der Rezepte bei den Krankenkassen sowie neue sogenannte E-Health-Lösungen. Dazu gehören beispielsweise digitale Anwendungen wie eine automatisierte Medikationserinnerung, die Prüfung von möglichen Wechselwirkungen zwischen verordneten Medikamenten oder auch die Online-Sprechstunde, wodurch in bestimmten Fällen ein zeitaufwendiger Besuch beim Arzt gänzlich vermieden werden kann.

Nachteile E-Rezept

  • Aufwendige Infrastruktur zur Gewährleistung des Datenschutzes nötig
  • Prognostizierter Rückgang der stationären Apotheken und Versorgung vor Ort
  • Verlust des Apothekers in erklärender und beratender Funktion
  • Abnehmender Kontakt zum behandelnden Arzt erschwert Diagnosen
  • Schwierige Handhabbarkeit für technisch unerfahrene Menschen

Vorteile E-Rezept

  • Freie Apothekenwahl (z.B. nach Preisvergleich im Internet)
  • Zeitersparnis und Bequemlichkeit beim Bezug der benötigten Medikamente
  • Effiziente Abrechnung mit der Krankenkasse
  • Umweltfreundliche, papierlose Abwicklung
  • Kombinierbar mit weiteren E-Health-Lösungen

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WELCHEN EINFLUSS HAT DAS E-REZEPT AUF ONLINE-ARZT-PORTALE?

Das E-Rezept ist Wegbereiter für viele weitere sogenannte E-Health-Lösungen wie beispielsweise die Videosprechstunde, weshalb davon auszugehen ist, dass sich das Angebot von digitalen Kommunikationskanälen zwischen Arzt und Patienten in Zukunft vergrößern wird. 76% der Ärzte wünschen sich schon jetzt eine stärkere digitale Kommunikation. Die digitale Rezeptverschreibung eröffnet hier ganz neue Möglichkeiten. War bis dato lediglich die digitale Beratung und Diagnose möglich, so ist mit der elektronischen Rezeptausstellung der Besuch in der Arztpraxis in bestimmten Fällen komplett durch die Fernsprechstunde ersetzbar.

Die Zeitersparnis und Flexibilität sowohl auf der Ärzte- als auch Patientenseite sind hierbei besonders reizvoll. Darüber hinaus versprechen die Fernsprechstunde oder ähnliche Angebote auch eine bessere medizinische Versorgung in beispielsweise strukturschwachen, ländlichen Gebieten und die Betreuung von immobilen Patienten. Es ist also zu erwarten, dass zukünftig immer mehr Ärzte den derzeitigen Pilotprojekten folgen und neben der regulären Sprechstunde auch online auftreten und den digitalen Austausch mit ihren Patienten anbieten.

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WELCHE PILOTPROJEKTE GIBT ES BEREITS?

GERDA – GESCHÜTZTER E-REZEPT-DIENST DER APOTHEKEN:

GERDA ist ein telemedizinische Modellprojekt aus Baden-Württemberg zur Systemlösung der elektronischen Verordnung. Das Projekt arbeitet mit einem “Fachdienst Rezeptspeicher”, in dem die E-Rezept-Daten sicher gespeichert werden. Ärzte können so ein ausgestelltes elektronisches Rezept verschlüsselt dort ablegen. Anschließend kann der Patient mit passender App auf das E-Rezept zugreifen und frei entscheiden an welche Apotheke er es senden möchte. Diese können dann mit Zustimmung des Patienten auch auf das verschlüsselte Rezept zugreifen und den QR-Code scannen.

Bei GERDA handelt es sich um ein gemeinsames Projekt der Landesapothekerkammer, des Landesapothekerverband Baden-Württemberg, der NGDA – Netzgesellschaft Deutscher Apotheker und des Ministeriums für Soziales und Integration. Die Apothekensoftware wurde von NOVENTI bereitgestellt.

DOCMORRIS, ZURROSE & SPITZENVERBAND FACHÄRZTE DEUTSCHLAND E.V. (SPIFA):

Die großen europäischen Versandapotheken DocMorris und zurRose haben gemeinsam mit dem Spitzenverband Fachärzte Deutschland e.V. (SpiFa) ein Pilotprojekt zum E-Rezept ins Leben gerufen. Ziel ist es unter anderem innovative Lösungen im Bereich Arzneimitteltherapiesicherheit und -distribution in Bezug auf die Einführung des E-Rezeptes zu enwickeln. Zur technischen Unterstützung und Entwicklung entsprechender

Softwarelösungen, gelang im Projekt die Übernahme des Joint-Venture-Unternehmens Ehealth-Tec. Aktuell sind diese auch bei der Software-Nutzung des TK-Projekts involviert und arbeiten an einer Integration der Vor-Ort-Apotheken in das Projekt. Bezüglich der monetären Komponente erfolgt auch eine enge Zusammenarbeit mit Abrechnungsspezialisten König IDV.

TK -TECHNIKER KRANKENKASSE (HAMBURG):

Die Techniker Krankenkasse testet probeweise in Hamburg-Wandsbek ein E-Rezept-Pilotprojekt, bei dem die Medikamentenabholung per QR-Code erfolgt. Es dient zur Erprobung der strukturellen und technischen Umsetzung und soll Patienten, Ärzten und Apotheken die Vorzüge des elektronischen Rezeptes näherbringen. Support auf technischer Ebene erhält die TK dabei von den Technik-Partnern connected-health.eu GmbH und Software-Dienstleistungsunternehmen König IDV GmbH. Kooperationspartner in diesem Projekt sind zudem die Adler Apotheke, die Easy-Apotheke und das Diabetes Zentrum Wandsbek. Ebenfalls im Projekt involviert ist seit Neustem auch die Hanseatischen Krankenkasse (HEK).

DOCMORRIS & MEDABO:

Seit 01.02.2019 arbeiten die Versandapotheke DocMorris und das IT-Unternehmen MEDABO gemeinsam an einem Projekt, in dem die Erstellung von Folgerezepten online erfolgt.

Patienten können ihre Folgerezepte online über die MEDABO-Plattform bestellen, MEDABO sendet die Rezeptbestellung anschließend direkt an die Arztpraxis. Dort wird die sie vom Praxis-Team geprüft und freigegeben. Das Rezept wird dann direkt von der Praxis an DocMorris gesendet. Nach einer kurzen Bearbeitung liefert DocMorris das Medikament direkt dem Patienten nach Hause. Kürzlich haben sich dieser Kooperation auch die Versandapotheken Apotal und Eurapon angeschlossen.

DAV – DEUTSCHER APOTHEKERVERBAND:

Der DAV entwickelt eine neutrale Web-App für Patienten als einheitliche Lösung für das E-Rezept. Sie ist unabhängig von Smartphone und Betriebssystem anwendbar und funktioniert durch die Verknüpfung mit zentralem Server und der Autorisierung durch alphanumerischen Code des Patienten. Die App nimmt das E-Rezepts in der Arztpraxis entgegen und übermittelt die Vorbestellung an die gewünschte Apotheke, nachdem sie in der App ausgewählt wurde. Das E-Rezept liegt auch in diesem Modellprojekt auf einem zentralen Server. Der Arzt stellt das E Rezept aus und schickt es verschlüsselt an den Zentralserver. Die ausgewählte Apotheke kann in verschlüsselter Form wieder darauf zugreifen, nachdem sie vom Patienten durch einen alphanumerischen Code autorisiert worden ist.

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WIE VERÄNDERT DAS E-REZEPT DEN MARKT?

Die baldige Einführung des elektronischen Rezeptes wird einige Veränderungen mit sich bringen. Neben den systematischen Veränderungen der Prozessabläufe werden besonders in Bezug auf den Apothekenmarkt und den Arzneimittelmarkt (Rx– und OTC-Produkte) bedeutende Entwicklungen erwartet. Durch das E-Rezept wird unter anderem auch von einer Steigerung der Rezepteinlösungen und einer Umverteilung des Umsatzes für Medikamente ausgegangen. Es wird selbstverständlich nicht zukünftig eine größere Anzahl von kranken Menschen geben, die mehr Rezepte einlösen, sondern Personen, die aus Convenience Gründen mehr Rezepte einlösen und so auch die Compliance erhöhen.

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Apothekenmarkt:

Durch das E-Rezept kommen auf Apotheken innovative Systeme und neue Prozessabläufen zu, die ihre bisherige Arbeit mir Arztpraxen, Patienten und Krankenkassen verändern werden. Die Zusammenarbeit von Krankenkassen und Apotheken beispielsweise wird durch die Digitalisierung der Abläufe weniger anfällig für Fehler sein und auch die Anzahl der Retaxierungen wird sinken. Es ist zu erwarten, dass die digitalen Rezepte auch auf digitalem Weg vermehrt in Online-Apotheke eingelöst werden und sich somit eine Umsatzumverteilung in Richtung Versandhandel entwickeln wird. Das für die nächsten Jahre einen Rückgang der stationären Apotheken und strukturelle Veränderungen des Apothekenmarkts bedeutet. Bis 2030 ist ein Rückgang von aktuell ca. 19.423 stationäre Apotheken auf 11.871 Vor-Ort-Apotheken wahrscheinlich. Das entspricht einem jährlichen Rückgang von 4%. Online Apotheken werden wegen des Convenience Faktors zunehmend zur ersten Wahl bei der Rezepteinlösung, auch dank verbreiteter Same Day Delivery (SDD) und bequemer 1 Klick Bestellung. Es ist zu erwarten, dass in den nächsten 10 Jahren jeden Tag durchschnittlich 2 stationäre Apotheken in Deutschland schließen werden. Mehr als €10 Milliarden zusätzliches Wachstumspotential werden durch das E-Rezept erschlossen. Allein durch den Rx-Markt wird ein 4x höheres Wachstumspotential erwartet.

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Rx-Markt:

Durch den schnelleren Ablauf der digitalen Bestellung mit dem elektronischen Rezept wird auch ein Anstieg der Online-Käufe im Rx-Bereich erwartet. Patienten werden somit zukünftig, neben den freiverkäuflichen OTC-Produkten auch mehr rezeptpflichtige Medikamente in den Versandapotheken bestellen. Aktuell liegt der Rx-Online-Anteil bei etwa 1,5 %, eine große Steigerung wird jedoch erwartet. Bis zu 10,2% des Marktanteils bei €5,1 Mrd. Umsatz könnte der Rx Versandhandel in 2030 erreichen. Dies bedeutet ein Minus für stationäre Apotheken von €4,3 Mrd. Dieses Wachstumspotential in Richtung Rx-Markt könnten eine gute Chance für den Ausbau der Cross-Selling-Maßnahmen im Versandhandel sein. Zwangsläufig folgt ein Anstieg des Umsatzes der Online-Apotheke und ein steigender VH-Marktanteil. Jeder Apothekenkunde mit einem Rezept ist ein potenzieller OTC-Kunde, was bei zunehmenden Cross-Selling-Empfehlungen genutzt werden könnte. Momentan wird diese Maßnahme fast nur für OTC-Produkte genutzt, in Zukunft wird es aber beim Anstieg der Online-Käufe, auch für Rx-Produkte sinnvoll sein.

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OTC-Markt

Die Veränderungen des Apothekenmarkts wirken sich selbstverständlich mit der Zeit auch auf den OTC-Markt aus. Momentan bestellen mehr als 90% der Rx Versandkunden bei ihrem Einkauf auch OTC-Arzneimittel. Durch den Onlineanteilsanstieg im Rx Bereich wird somit auch der OTC Bereich mitwachsen. Der Versandhandelsanteil von OTC-Produkten liegt heute bereits bei guten 23,4%, bis 2023 könnten nach der E-Rezept-Einführung bis zu 30% OTC-Marktanteil im Online-Handel erreicht werden.

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WAS SAGEN EXPERTEN ZUM E-REZEPT?

Grundsätzlich blicken die Experten zuversichtlich in die Zukunft mit dem E-Rezept und sehen damit verbunden Chancen für die telemedizinische Versorgung. Einige regulatorische Hürden sind momentan jedoch noch zu meistern.

Christian Buse

Vorsitzender Bundesverband Deutscher Versandapotheken

„Das E-Rezept sehe ich als Königsanwendung, die Patient, Arzt und Apotheker optimal in einer digitaler werdenden Welt zusammenbringt. Einmal funktionstüchtig, schafft es Echtzeit Transparenz und Effizienz in den Prozessen rund um Patienten, Ärzten, Krankenkassen und Apotheken.“

Jens Spahn

Bundesgesundheitsminister

„Erst das elektronische Rezept macht Telemedizin zu einem Erfolgsprojekt. Die Telemedizin spart Ärzten und Patienten Zeit und Wege –vor allem auf dem Land und außerhalb der üblichen Praxisöffnungszeiten.“

Jörg Wieczorek

Vorstandsvorsitzender Bundesverband Deutscher Arzneimittelhersteller
„Die Einführung des E-Rezepts erfordert Lösungen, die aus Sicht des Patienten gedacht sind. Dafür ist es essentiell, dass der Patient nach wie vor die ihn versorgende Apotheke frei auswählen kann. Darüber hinaus ist es wichtig, dass auch nach der Einführung eines E-Rezeptes der Patient mit dem richtigen Arzneimittel versorgt wird.“

Friedemann Schmidt

Präseident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände
„Für uns ist das E-Rezept nur die letzte digitale Meile, die noch zu überbrücken ist. Wichtig ist uns dabei, dass der Patient der Herr seiner Daten bleibt und weiterhin die freie Apothekerwahl hat. Zugleich müssen die Prozesse zwischen Ärzten, Apothekern und Krankenkassen auf Basis der Telematik-Infrastruktur eindeutig festgelegt werden.“

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WAS SAGEN APOTHEKER ZUM E-REZEPT?

Die Apotheker sind bezüglich der Einführung des E-Rezeptes und der damit verbundenen Veränderungen geteilter Meinung. Wie die repräsentative Dr. Kaske E-Rezept-Studie zeigt, sind 46% der Apotheker für eine Ablösung des klassischen Papierrezeptes durch das E-Rezept und 53 % dagegen. Mehr als ¼ der befragten Apotheker sehen im E-Rezept mehr Vorteile für ihre Apotheke als Nachteile. Es werden besonders eine schnellere Arzneimittelversorgung, weniger Fehler im Ablauf und mehr Komfort für die Patienten erwartet. Sorgen bereiten den Apotheken eine möglicherweise verminderte Beratungsmöglichkeit der Kunden und das Abwandern zu (ausländischen) Versandapotheken. Außerdem gehen Apotheker auch von einer Vergrößerung des Rx-Online-Anteils im deutschen Apothekenmarkt aus.

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WAS SAGEN VERBRAUCHER ZUM E-REZEPT?

Verbraucher blicken einer Zukunft mit dem E-Rezept positiv entgegen und sehen besonders viele Vorteile in der digitalen Neuerung. Wie die E-Rezept-Studie zeigt, würden aktuell bis zu 50,4% der Verbraucher ein E-Rezept online einlösen. Aktuell wissen auch 21% der Befragten schon, worum es sich bei dem E-Rezept handelt. Das größte Risiko sehen die Verbraucher ganz klar im Datenschutz, denn im Umgang mit den sensiblen Gesundheitsdaten ist höchste Vorsicht geboten. Dieses Thema war aber auch allen Beteiligten von Beginn an besonders wichtig, weswegen darauf auch durchgehend ein starker Fokus gelegt wurde. Verbraucher sehen im elektronischen Rezept auch eine ganze Reihe von Vorteilen. Allen voran Umweltfreundlichkeit, Zeitersparnis und Komfort durch das digitale Rezept.

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GLOSSAR

  • Alphanumerischer Code = Computer verarbeiten Daten auf der Basis von Zahlen im Binärsystem. Textdateien können folglich nicht in Form von Textzeichen gespeichert werden, sondern müssen zunächst in dieses Zahlensystem transformiert – d.h. in einen alphanumerischen Code – übersetzt werden.
  • Compliance = Englisch für Einhaltung, Befolgung. In der Medizin wird der Begriff verwendet, um den Konsens zwischen Arzt und Patient zu beschreiben, der durch das Verhalten des Patienten im Sinne der Handlungsempfehlungen des Arztes zum Ausdruck kommt.
  • Convenience = Englisch für Bequemlichkeit
  • Cross-Selling = Englisch für Querverkauf. Der Begriff stammt aus dem Marketing und beschreibt die Absicht eines Händlers, dem Kunden entsprechend seiner Suchanfrage in einem Online-Shop eigene ähnliche oder weitere passende Produkte zum Kauf vorzuschlagen.
  • DAV = Abkürzung für „Deutscher Apothekenverband“. Wirtschaftsverband zur Interessensvertretung der Apothekenleiter.
  • E-Health = kurz für Electronic Health; zu Deutsch etwa elektronisches Gesundheitswesen. E-Health ist ein Überbegriff für den Einsatz diverser digitaler Anwendungen im Gesundheitssystem, wie zum Beispiel das elektronische Rezept (E-Rezept) oder die elektronische Gesundheitskarte (eGK).
  • Gematik = Die gematik GmbH (früher: Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH) ist 2005 von den führenden Organisationen im Gesundheitswesen gegründet worden und tritt für die Einführung, Pflege und Weiterentwicklung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und der damit verbundenen Infrastruktur ein. Zu den Gesellschaftern gehören: das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), die Bundesärztekammer (BÄK), der Deutsche Apothekerverband (DAV), die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV-SV), die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV).
  • GERDA = Abkürzung für „Geschützter E-Rezept-Dienst der Apotheken“. GERDA steht für ein Modellprojekt in Baden-Württemberg im Bereich der Telemedizin, das der Entwicklung einer Systemlösung für die elektronische Verordnung (E-Rezept) dient.
  • Joint-Venture = Englisch für Arbeitsgemeinschaft, Gemeinschaftsprojekt. Zusammenschluss von mehreren Unternehmen zum Zweck der gemeinsamen Durchführung von Projekten.
  • NGDA = Abkürzung für „Netzgesellschaft Deutscher Apotheker“. Tochtergesellschaft der „Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH“.
  • Offizinapotheke = Eine Apotheke, die im Gegensatz zu einer Krankenhausapotheke, Arzneimittel direkt an den Kunden verkauft. Wird oft als Synonym für „Vor-Ort-Apotheke“ verwendet.
  • Online-Apotheke = Internet-Apotheke, Versandapotheke. Ein Internet-Marktplatz für Medikamente und Produkte rund um die Gesundheit, der Bestellungen auf postalischem Wege an die Kunden ausliefert.
  • OTC = Abkürzung für den englischen Begriff „over-the-counter“; zu Deutsch: freiverkäuflich, rezeptfrei. Bezeichnung für nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel, die ohne ärztliches Rezept erworben werden können.
  • QR-Code = Die Abkürzung QR steht im Englischen für „Quick Response“; zu Deutsch: schnelle Rückmeldung, reaktionsschnell. Der QR-Code ist im Vergleich zu einem gewöhnlichen Strichcode zweidimensional und kann deutlich mehr Informationen verschlüsseln.
  • Rx = Rx ist eine Bezeichnung für verschreibungspflichtige Arzneimittel, die nur gegen Vorlage eines Rezeptes verkauft werden dürfen.
  • Retaxierung/Retaxation = Bezeichnung für ein Verfahren, bei dem eine Krankenkasse die Erstattung eines Arzneimittels verweigert.
  • Same Day Delivery (SDD) = Englisch für „Lieferung am selben Tag“. Service-Versprechen im Bereich des Versandhandels, dass die Paketzustellung innerhalb eines Kalendertages erfolgt.
  • SpiFa = Abkürzung für „Spitzenverband Fachärzte Deutschland e.V.“. Dachverband, der die Interessen der Ärzteschaft vertritt.
  • Telematikinfrastruktur = Wortkombination aus den Begriffen „Telekommunikation“ und „Informatik“. Bezeichnung für die Vernetzung von verschiedenen IT-Systemen und Akteuren im Gesundheitswesen zum sicheren Austausch von Informationen.
  • Telemedizin = Verwendung von Kanälen der Telekommunikation zur Überwindung der räumlichen Distanz zwischen Arzt und Patient für Diagnose- und Therapiezwecke.
  • VH = Abkürzung für „Versandhandel“.

Quellen:

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